Mark Brandenburg: Wandern im Heute

27. August 2019

Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg umfassen fünf Bände. Für seine Wanderungen auf den Spuren Fontanes unter dem Titel „Heut ist irgendwie ein komischer Tag“ hat Cornelius Pollmer gerade mal 235 Seiten gebraucht. „Fontane reloaded“, wie es der Buchumschlag suggeriert, ist also ein bisschen hoch gegriffen. Der junge Journalist hat auch nicht Schlösser und Kirchen beschrieben oder sich dem kulturhistorischen Hintergrund gewidmet. Ihn interessierte nicht das Gestern, sondern das Heute.

Originale und Landjugend

Und da waren es vor allem die Menschen, die Pollmer faszinierten. Ausgiebig beschreibt er Originale wie Schniepa, den unentwegt quasselnden und organisierenden Truck-Kapitän, oder Krafft Freiherr von Knesebeck, einen Wessi mit erstaunlichem „Regionalimperium“, zu dem auch ein Hundehotel gehört. Und dann natürlich die Landjugend um Troppi, die feste feiern kann und sich auch im Suff noch der Heimat verbunden fühlt.

Sommerleichte Aufzeichnungen

„Das Geschehen auf Wanderungen kann ein ganz und gar innerliches sein, eine Instrospektion zu allen möglichen Fragen des Lebens,“ schreibt Pollmer zwischendrin, „So wandert man äußerlich durch die Gegend und innerlich durch sich selbst und alles schwingt in einem idealerweise sommerleichten Gefüge.“ Sommerleicht sind auch seine Aufzeichnungen, manchmal vielleicht ein bisschen zu leicht oder eher rotzig, wenn die Sonne „so erbarmungslos feuert, dass allen langsam, wie sagt man: der Keks weich wird“.
Es wird auch ein bisschen viel gesoffen: „Der Rausch rauscht noch einmal an mir vorbei. Ein Wundern wärmt mich, als ich mir bewusst mache, was dieses Land an Abenteuer im Alltag so zu bieten hat.“

Ein Gefühl für die Faszination Heimat

Große Abenteuer sind es eher nicht, die Pollmer in der Mark Brandenburg erlebt, aber hin und wieder kommt er Fontane näher etwa bei einer „Schnipseljagd“, bei der Fontane-Zitate neu zusammengesetzt werden, oder einem „Fontane-Hackathon“, einer LAN-Party für Literaturwissenschaftler. Auch das Fontane-Fazit „er habe die Mark reicher gefunden als er zu hoffen gewagt hatte“, teilt der Autor gegen Ende seiner Wanderungen: „So kann es einem heute noch gehen, wenn man beim Wandern den Kopf oben und die Augen offen hält.“ Es sind keine tiefen Einsichten, die Pollmer vermitteln will. Es ist eher ein Gefühl für die Faszination Heimat, für diesen Ort, an dem man ganz sich selbst sein kann.
Info: Cornelius Pollmer. Heut ist irgendwie ein komischer Tag – Meine Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Penguin, 236 S., 20 Euro

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