Das Ende aller Sicherheit

22. April 2018

„Die Shaker waren fest überzeugt, wenn sie jede Kleinigkeit planten, könnten sie ein Stück Himmel auf Erden schaffen, einen kleinen Zufluchtsort, und die Gründer von Shaker Heights hatten genauso gedacht.

Vergebliches Streben nach Harmonie 

Doch der Himmel auf Erden bleibt wohl für ewig ein Sehnsuchtsort, auch wenn sich die Menschen noch so sehr abmühen in ihrem Bestreben nach Harmonie. Die Richardsons zum Beispiel, eine typische Familie in den Shaker Heights. Vater, Mutter und vier Kinder. Die Mutter Reporterin in einem Provinzblatt, der Vater Partner in einer Anwaltskanzlei, ein repräsentatives Haus, wohl erzogene Kinder mit besten Aussichten auf eine spätere Karriere.

Eine unangepasste Frau bringt die schön geordnete Welt zum Einsturz 

Und dann erscheint Mia auf dem Plan, eine Künstlerin, unangepasst, ungebunden, planlos, Mutter einer vaterlosen halbwüchsigen Tochter, Pearl. Ohne es zu wollen bringen die beiden die so schön geordnete Welt von Shakers Heights zum Einsturz. Die Veränderungen kündigen sich nicht an, sie beginnen schleichend mit den Fragen von Izzy, der jüngsten Tochter der Richardsons, nach dem Sinn des Lebens. Mit der Liebelei zwischen Pearl und dem Richardson-Sprössling Trip. Mit einem adoptierten Kind, das die richtige Mutter wieder zurück verlangt. Schließlich erregt ein Gemälde, auf dem Mia mit Pearl im Arm als unbefleckte Madonna zu sehen ist, Mrs. Richardsons Neugier, und ihre Recherchen führen zu einer folgenschweren Entdeckung.

Ein Funken genügt 

Celeste Ng beschreibt in „Kleine Feuer überall“ den Mikrokosmos einer amerikanischen Kleinstadt, eine scheinbar heile Welt, in der ein Funken genügt, um die unterschwelligen Ängste und Aggressionen ausbrechen zu lassen. Es ist Izzy, die am Ende zur Tat schreitet und ihr Elternhaus niederbrennt. Hatte nicht Mia gesagt: „Manchmal muss man ganz von vorne anfangen. Manchmal muss man alles abbrennen“?

Gefährliches Wissen um die Lebenslügen der anderen 

Es gibt kein Happy End in diesem lebensklugen Buch aber viele offene Fragen, die zum Nachdenken anregen. Darüber zum Beispiel, wie lebenswert ein Dasein im Käfig der Konventionen ist. Oder darüber, wie gefährlich das Wissen um die Lebenslügen anderer sein kann.
Info: Celeste Ng. Kleine Feuer überall, dtv, 382 S, 22 Euro

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