Der Ruf des Südens

19. Januar 2021

Der Süden ist für viele Norweger der Inbegriff eines Traumurlaubs: Sonne, Strand und Meer, gastfreundliche Einheimische, mediterrane Genüsse. Einst lag der Süden tatsächlich im Süden Europas, in Italien. Heutzutage kann der Süden nach Meinung von Are Kalvo auch Brasilien sein oder Thailand. „Der Süden existiert unabhängig von Staatsgrenzen, Kontinenten und politischen Entwicklungen. Viele von uns kennen Menschen oder haben von welchen gehört, die im Süden Urlaub gemacht haben, ohne ganz genau zu wissen, in welchem Land sie eigentlich waren.“

Selbstversuch vor 18 Jahren

Vor 18 Jahren hat der norwegische Komiker versucht, dem Phänomen auf den Grund zu gehen – bei einem Selbstversuch. Inzwischen ist die Reise in den Süden „so alltäglich wie ein Hüttenwochenende“. Doch seit Corona ist auch das anders, und die mittlerweile 18 Jahre alten Erfahrungen von Kalvo unter der „Pauschalsonne“ haben in der deutschen Übersetzung eine ganz neue Aktualität gewonnen.

Sauf- und Anti-Touristen

Zwar sind die Erlebnisse und Begegnungen meist norwegisch eingefärbt, aber vielerorts sind die Nationalitäten im Urlaub austauschbar, verhalten sich Deutsche, wenn sie am Ballermann die Sau rauslassen, nicht viel anders als Norweger in Magaluf. Und noch immer stimmt, dass Rucksacktouristen „auf gar keinen Fall Touristen“ sein wollen und dass die Suche nach der vielbeschworenen Authentizität oft absurde Züge annimmt: „Am extremsten sind die Antitouristen, die dir allen Ernstes erklären, man solle Diktaturen besuchen, bevor sie demokratisiert und durch den Tourismus zerstört würden“.

Regeln unter der Pauschalsonne

Weil unter der Pauschalsonne alles geregelt und sortiert ist – in Hotels für Erwachsene und solche für Kinder, in Inseln für Schwule und solche für junge Leute – träumen viele von einer einsamen Insel, einem Ort, „wo es schön ist und wo nicht so viele andere sind“. Für sein Buch war Are Kalvo deshalb nicht nur  in Italien und auf Mallorca, sondern auch  in der griechischen Inselwelt unterwegs. Er hat sich unter die Pauschaltouristen gemischt und ist auch eigene Wege gegangen.

Sehnsucht nach dem Süden

Er hat seltsame Beobachtungen gemacht und letztlich doch viel Verständnis für die Süden Touristen entwickelt: „Dies ist trotz allem der Ort, wo man seine Alltagspersönlichkeit zu Hause lässt, der Ort an dem man Seiten auslebt, die man anderswo nicht auslebt.“ Es ist der Süden, den viele derzeit so sehr vermissen.
Info: Are Kalvo. Ab in den Süden, DuMont, 272 S., 16,95 Euro

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.