Die Fuggerei in allen Facetten

22. Dezember 2020

2021 im Sommer könnte die Fuggerei in Augsburg 500. Geburtstag feiern. Ob es zum Jubiläum eine große Feier gibt, hängt von Corona ab. Aber schon jetzt kann man sich in die Geschichte der ältesten Sozialsiedlung der Welt vertiefen. Das kenntnisreich geschriebene und ausführlich bebilderte Buch „Die Fuggerei“ öffnet nicht nur die Türen zu den Stiftern, sondern auch zu heutigen Bewohnern.

500 Jahre Verpflichtung für die Familie Fugger

„Auf ewig mit der Vollstreckung“ seiner 1521 gegründeten Sozialsiedlung verpflichtete Jakob Fugger seine Nachfahren. Und dieser Verpflichtung kommen die Fuggers auch nach 500 Jahren nach. In fünf Jahrhunderten haben bedürftige Menschen in der Fuggerei ein Dach über dem Kopf gefunden – auch nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg. Im Buch erfährt man, was den reichen Global Player und genialen Strategen Jakob Fugger zu seiner Stiftung bewogen hat und warum die Fuggerei-Bewohner bis heute drei Gebete für den Wohltäter und seine Familie sprechen sollen. Man erfährt auch, wie die Architektur dieser heutigen Puppenstuben-Idylle einzuordnen ist: Im Grundriss schließe sie sich an den Kleinhaustyp spätmittelalterlicher Handwerkshäuser an.

Ehrenhafte Arme und 88 Cent Miete

„Ehrenhafte Arme“ hatte Jakob Fugger für seine Sozialsiedlung im Sinn, die sich bis heute als Stadt in der Stadt gehalten hat -noch immer werden um Mitternacht die Tore geschlossen. Und bis heute zahlen die Bewohner eine Miete von einem rheinischen Gulden, das sind 88 Cent. Allerdings kommen dazu inzwischen die Nebenkosten hinzu. Denn die Fuggerei bietet ihren Bewohnern heutzutage nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch einen Wohnkomfort, der sich an den Anforderungen der Gegenwart orientiert.
Friedfertiges Zusammenleben wurde und wird von den Menschen, die in dieser sonnengelben Siedlung leben eingefordert. Leicht war das nicht immer, wie man in dem Buch nachlesen kann. Vor allem nach dem Krieg waren die Wohnverhältnisse eng.

Zu Besuch bei den Bewohnern

Die Autorinnen und Autoren waren für ihre Texte nicht nur im Archiv, sie haben mit den Verantwortlichen der Familie Fugger gesprochen und sie haben auch heutige Bewohner besucht. Die meisten sind glücklich, in der Fuggerei leben zu dürfen, aber in Vor-Corona-Zeiten fühlten sie sich auch oft wie im Zoo. Dann, wenn die Touristen allzu neugierig waren und vor allem im Erdgeschoss aufdringlich in die Fenster der Wohnungen gespäht haben. Derzeit freilich bleiben auch die Bewohner der Fuggerei meist unter sich.
Info: Astrid Gabler Hrsg., Die Fuggerei, Hanser, 240 S., 22  Euro

 

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