Hütten: Himmelshäuser und Wolkenschlösser

11. Juni 2019

Zwar warnt der Deutsche Alpenverein noch vor Schnee in den Alpen, aber spätestens ab Pfingsten ist Wanderzeit in den Bergen. Da wächst auch die Lust auf eine Hütteneinkehr. Die Auswahl ist groß, der Charakter der Hütten höchst unterschiedlich – von modernen, umweltfreundlichen Passivhäusern bis zu traditionsreichen Schutzhäusern, von Luxusunterkünften bis zu einfachen Hütten mit Matratzenlager. Die einen sind nur mit einem schweißtreibenden Anstieg zu erreichen, die anderen auf breiten Feldwegen. Manche mögen‘s eng und kuschelig, andere punkten mit spektakulären Ausblicken oder mit üppiger Hüttenjause. Es gibt familienfreundliche Hütten und solche, in denen sich vor allem Alpinisten wohlfühlen.

Die Hütten lassen Wanderherzen höher schlagen

Wer sich da zurecht finden will, freut sich über Tipps von erfahrenen Bergfreunden. Bernd Ritschel ist so jemand. Der bekannte Bergfotograf hat Hunderte von Touren hinter sich und kennt sich aus in der Welt der Berge. Seine Liebe zu den Bergen teilen der Alpinjournalist Frank Eberhard aus Memmingen und die Freie Journalistin Sandra Freudenberg, die am liebsten Alpen-Reportagen schreibt. Nun hat das Trio Hütten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien auf- und ausgesucht, die als „neue Sehnsuchtsorte in den Alpen“ taugen. Allein schon beim Durchblättern der 240 Seiten schlägt jedes Wanderherz höher. Die Beschreibungen der einzelnen Hütten nehmen die Leser mit auf die Wanderung, die großformatigen Fotos machen Lust, gleich „im Frühtau zu Berge“ zu ziehen und die ausführlichen Infos helfen beim Planen.

Spektakulärer Neubau und königliche Einkehr

Gleich drei Hütten umfasst die Ötztaler Runde, die sich „gut von der ganzen Familie bewältigen“ lässt: Hochjochhospiz, Vernagthütte und Breslauer Hütte – alle drei mindestens eine Einkehr wert, wie die Autoren meinen. „Großes Kino“ ist die Aussicht von der abgelegenen kleinen Wiwannihütte im Schweizer Wallis, wo sich Kletterer gerne treffen. Hoch über dem Gardasee thront das Rifugio Altissimo Damiano Chiesa, das auch per Mountainbike erreichbar ist. Viel gewagt hat man beim Neubau der Schwarzsteinhütte im Ahrntal, der wie ein Monolith in die Landschaft ragt.  Auch das Waltenberger Haus über Oberstdorf ist ein Neubau. Im Gegensatz zur spektakulären Architektur der Schwarzsteinhütte ist die neue Fassade eher zurückhaltend und duckt sich in die Allgäuer Landschaft. Und dann wäre da noch das Soiernhaus, ein Lieblingsziel des legendären „Kini“, Ludwig II. Mindestens acht Gänge wünschte seine Majestät dort oben zu speisen, die Gäste heute sind bescheidener und freuen sich über die regionale Hüttenküche. Das sind nur ein paar Beispiele aus dem anregenden Buch, das im Anhang noch praktische Tipps für
die Touren zu den Hütten enthält.
Info: Bernd Ritschel, frank Eberhard, Sandra Freudenberg. Hütten² – Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen, National Geographic,240 S., 49,99 Euro, ISBN 978-3866906167

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