Loblied auf ein schwieriges Land

22. Dezember 2022

Zu Weihnachten zieht es viele Christen ins Heilige Land. Und damit rückt ein Krisenherd im Nahen Osten wieder ins Bewusstsein. Denn bis heute ist das Heilige Land gespalten ebenso wie Jerusalem. Und immer wieder eskaliert der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Dass das oft nicht an Israel liegt, macht die in Los Angeles lebende israelische Schauspielerin und Produzentin Noa Tishby in ihrem Buch  „Israel“ klar.

Israel und seine Geschichte

Tishby nennt es einen „Faktencheck über das am meisten missverstandene Land der Welt“. Auf fast 200 Seiten breitet sie die Geschichte ihres Heimatlandes aus – angefangen bei biblischen Zeiten über die zionistische Bewegung, die Rückkehr der Juden während und nach dem Holocaust, die Staatsgründung, die Kibbuz, den Aufbau des Landes unter Ben Gurion, die kriegerischen Auseinandersetzungen, den Terror-Alltag bis in die – unsichere – Gegenwart.

Zeitreise und Familiengeheimnisse

Tishby nimmt die Lesenden mit auf eine Zeitreise und dröselt die blutigen Konflikte im und um das Heilige Land auf. Dabei integriert sie ihre Familiengeschichte und erzählt – erstaunlich ehrlich – aus dem eigenen Leben. Die Israelin ist eine eloquente Erzählerin, die sich auch moderner Stilmittel zu bedienen weiß. Denn sie will vor allem die Millennials ansprechen, die ihrer Meinung nach mit Fake News über Israel aufwachsen.

Abrechnung mit der BDS-Bewegung

Der Autorin ist es ein Herzensanliegen, ihre Heimat Israel gegen Vorwürfe zu verteidigen. Immerhin sei Israel die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten, schreibt die Israelin und listet eine Menge Errungenschaften auf, die Israel zu dem Land gemacht haben, das es heute ist. „Israel ist ein heikles Thema“ räumt sie ein, „Aber warum? Warum ruft Israel so viele zum Teil irrationale Emotionen hervor?“ Zum Beispiel mit der BDS-Bewegung, die dazu aufruft, Israel zu boykottieren, im Land keine Investitionen zu tätigen und die Politik zu sanktionieren. Mit Recht fragt Tishby, warum in aller Welt nur Israel am Pranger stehe und nicht etwa Staaten wie Pakistan oder China.

Das Problem der Fundamentalisten

Ja, Israel habe Fehler gemacht, aber der Staat müsse sich in einer feindlichen Umwelt auch zur Wehr setzen. Und ja, auch in Israel gebe es religiöse Fanatiker wie die Fundamentalisten der Charedim – genau deshalb sei es die Trennung von Staat und Religion so wichtig. Bleibt zu hoffen, dass Benjamin Netanjahu und seine Koalition mit den Ultrarechten das auch so sehen. Sonst könnte dem Land ein wenig friedliches Weihnachten drohen.

Info  Noa Tishby. Israel – Der Faktencheck über das am meisten missverstandene Land der Welt, Gütersloher Verlagshaus, 397 S., 22 Euro

 

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