Ochsentour zum Erfolg
Rezensionen / 29. September 2021

Das erste Geoheft 1976 war für den 15-jährigen Michael Martin „das Fenster zur Welt“. Auch ein professioneller Diavortrag beeindruckte den Schüler nachhaltig. Mehr als 40 Jahre später ist in Gersthofen bei Augsburg Geborene selbst ein erfolgreicher Vortragsreisender. Geo widmete den vielfach Ausgezeichneten sogar eine Sonderausgabe. „Ich will mehr als schöne Bilder zeigen und abenteuerliche Geschichten erleben“, schreibt Michael Martin im Vorwort zu seinem Buch „Die Welt im Sucher“.  In dem Buch nimmt er  die Lesenden nicht nur auf seine Reisen mit, er lässt sie   auch teilhaben an den Anfängen seiner Karriere. Und am  Ende gewährt der Profi auch noch Einblicke in seine Ausrüstung. Mauerblümchen und Orchideenfach Der Vater prägte ihn, schreibt der heute 58-Jährige dankbar. Auch der Mutter habe er viel zu verdanken. In der Schulzeit fühlte er sich eher als „Mauerblümchen“, das Ingenieurstudium tauschte er gegen das „Orchideenfach“ Geographie, das er nach langen elf Jahren immerhin mit einem Diplom abschloss – inzwischen Vater einer Tochter und erfahrener Reisender. Mit dem Mofa nach Marokko Immerhin führte seine erste Reise den 17-Jährigen schon nach Marokko – mit dem besten Freund und auf einem Mofa. Als Fotograf, schreibt Martin, sei er Autodidakt. Doch er profitierte von der „Goldenen Zeit der Reisefotografie“, auch…

Zwischen Tokio und deutscher Provinz
Rezensionen / 23. September 2021

Nippon ist das Land der aufgehenden Sonne.  So sieht sich Japan selbst.  Der Journalist Andreas Neuenkirchen hat sich für dieses Nippon entschieden und den ersten Kulturschock schon hinter sich. Er ist in Tokio angekommen. Spätestens seit Tochter Hana geboren wurde, nimmt er am Alltag seiner Wahlheimat teil – als Vater. Väter im Partnerlook Was das bedeutet, beschreibt der aus Bremen-Vegesack stammende Autor in seinem Buch Nippon Global mit viel Selbstironie: „In Japan sind Väter, die auf eigene Faust etwas mit ihren Kindern unternehmen, so ungewöhnlich, dass die Väter, die es doch tun, sich und ihren Nachwuchs oft im Partnerlook kleiden, damit die Zusammengehörigkeit offensichtlich ist und niemand die Polizei ruft: ‚Da ist ein Mann mit einem Kind auf der Straße – ohne Frau!‘“. Weihnachtsbaum mit Regenbogen Trotz der Jahre, die er inzwischen in der Heimat seiner Frau Junko verbracht hat, hat Neuenhausen das Wundern nicht verlernt. Über Weihnachten in Japan etwa und die Odyssee auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum möglichst ohne Regenbogen-Deko. Über Corona und die väterlichen Pflichten bei der Tochter-Betreuung. Über Mangas, Kindergärten, Schriftzeichen und eine Art Stadtmarathon, bei dem der Deutsche viele neue Ecken seiner Wahlheimat kennenlernt. Schlaflos in Tokio Zum Schlafen kam er dabei nicht. Dazu…

Wertschätzung für die Welt
Rezensionen / 25. März 2021

In Querweltein geht es um Kurztrips und Fernreisen, vor allem aber um Nachhaltigkeit.  Nachhaltigkeit war auf der digitalen Reisemesse ITB in Berlin das Wort der Stunde. Und doch scheint es beim Reisen weiterzugehen wie bisher. Die 20 Autorinnen und Autoren, die den Herausgebern Pia Wieland und Tobias Ertel in dem originell aufgemachten Buch  Querweltein  ihre persönlichen Reiseabenteuer schildern, sind da allerdings anderer Meinung. Sie bevorzugen Bahn und Rad, womöglich auch Esel und Pferd und sind auch gern zu Fuß oder per Autostopp unterwegs. Plädoyer für die Langsamkeit Für Billigflieger & Co haben sie nur Verachtung übrig. „Fliegen und Umweltschutz vertragen sich nicht“, macht der Grüne Marcel Roth klar. Nachhaltig reisen und damit auch langsamer bringt nach Meinung der Herausgeber die Wertschätzung für die Welt zurück. „Es kommt auf die Art und Weise an, auf die Langsamkeit und Intensität des Reisens und des Augenblicks.“ Ein ganz besonderes Transportmittel stellt die Allgäuerin Marie Eckart vor, den Fahrradbus. Bei seiner Geschwindigkeit, schreibt Eckart, komme ihre Seele gut mit. Die Reise darf nicht zur Kulisse werden Nachhaltig reisen, das wird schnell klar, ist langsamer, entschleunigend. Fünf Monate war der Arzt Philipp Fuge wandernd unterwegs und hat dabei nicht nur in einer lebensfeindlichen Gegend  „eine…

Sachbücher für Kinder
Rezensionen / 25. März 2021

Nicht mehr lang, dann ist Ostern. Doch was soll der Osterhase in diesem Jahr ins Nest legen – außer Schokoladeneiern?  Ich hätte da eine Idee. Viele Kinder haben in Corona-Zeiten gelernt, zu Hause zu arbeiten. Den Schulstoff aufzuholen ist trotzdem nicht einfach. Und manche wollen auch mehr wissen über unsere Zeit und ihre Probleme. Oder über sich selbst. Hier sind ein paar Sachbücher, die ich dem Osterhasen gern in die Pfoten legen würde: Ein Virus kommt selten allein Wer wissen will, was eine Pandemie ist oder warum die Coronaviren – ja, davon gibt es viele – „die Intelligenzbestien unter den Viren“ sind, kann sich mit den Biologen Karsten Brensing und Katrin Linke in „Die spannende Welt der Viren und Bakterien“ (Loewe, 192 S., 16,95 Euro, ab 10). Wissbegierige Kids ab 9 erfahren hier, warum Viren keine Lebewesen, sondern Miniroboter sind und warum Bakterien nicht nur schlecht sind, was man unter Herdenimmunität versteht und was an einer RNA-Impfung anders ist. Alle Erklärungen sind kindgerecht, helfen aber vielleicht auch Erwachsenen weiter. Konkrete Nachhilfe gibt‘s durch witzige Illustrationen, Infokästen und Experimente. Ein Super-Nachschlagewerk für kleine und große Menschen, das nicht nur der Virologe Christian Drosten toll findet. Politik ohne viel Worte Politik ist…

Seen-Sucht in Kanada
Rezensionen / 17. Dezember 2020

Allan Casey liebt die kanadischen Seen, seit er ein Kind war. Warum, auch das erfahren die Leser in dem aufschlussreichen Buch „Land der Seen“. Auf 330 Seiten rückt der Autor zwar die Seen in den Fokus der Aufmerksamkeit und beschreibt das riesige „Lakeland“ als eines der großen Ökosysteme der Erde und „Quintessenz dessen, was Kanada ausmacht“. Doch von unkritischer Schwärmerei ist Allan Casey weit entfernt. Überfluss und Zersiedlung Seine Kritik gilt dem städtischen Überfluss, der sich an manchen Seen ausbreitet „wie Rollrasen“ ebenso wie der Zersiedlung der Landschaft, den Umweltproblemen und einem Tourismus, dessen „Infrastrukturmaßnahmen einer Schwerindustrie gleichen“. Die Seen, so sieht er es, „sind in einem Straßennetz gefangen, das sich von selbst vergrößert“. Und während er mit seinen Lesern durch die Jahreszeiten und von See zu See reist, erzählt er von seiner glücklichen Kindheit als Adoptivsohn, von seiner „Lehre im Fach Natur“ und der Gründung einer Mittelschichtsfamilie. Grey Owl  und Graham Bell Am Ajawaan Lake in Saskatchewan erinnert er an die Lebensgeschichte des Engländers Archibald Stanfield Belaney, der sich als Grey Owl neu erfunden hat. Am Lake Winnipeg in Manitoba beklagt er Algenbüte und Umweltverschmutzung und stellt die Frage nach der „dringend benötigten Umweltforschung“. Aber Allan Casey berichtet auch…

Wälder als Kathedralen der Schöpfung
Allgemein / 3. November 2020

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, Wälder und andere Lebensräume zerstören, Luft, Wasser und Boden verschmutzen, stehlen wir unseren Kindern und Kindeskindern die Zukunft“ schreibt Jana Goodall im Vorwort zu dem eindrucksvollen Bildband „Wilder Wald“, der sich mit der 50-jährigen Erfolgsgeschichte des Nationalparks Bayerischer Wald befasst. Wo die Natur Natur sein darf „Natur Natur sein lassen“, war von Anfang an die Philosophie in Deutschlands ältestem Großschutzgebiet. Sie stieß nicht überall auf Verständnis, wie aus der Vorgeschichte hervorgeht. Doch Alexandra von Poschinger fand für ihr Buchprojekt engagierte Menschen, die sich der ökologischen Verantwortung stellen. Namhafte Künstler und Naturschützer, Naturfilmer und Grünenpolitiker, Klimaforscher und Sportler, Unternehmer und Kirchenmänner gaben ihr Auskunft über ihre Ideale und Visionen. Bäume gegen den Klimawandel Unter ihnen auch Felix Finkbeiner, der sich schon im Alter von zehn Jahren für Bäume gegen den Klimawandel stark machte und die Stiftung „Plant for the planet“ gegründet hat. Sie sprach aber auch mit Waldbesitzern und ließ sich von Gloria von Thurn und Taxis den Zusammenhang von Umweltschutz und Fegefeuer erklären. Naturschutz und Naturnutzen Man erfährt viel über Naturschutz und Naturnutzen in diesem schön gestalteten Buch mit den vielen beeindruckenden Fotografien. Auch dank der Förster, Forscher und Pädagogen, der Ranger und der…

Das Bergreich des Märchenkönigs
Rezensionen / 20. August 2020

175 Jahre alt wäre König Ludwig II. am 25. August geworden. Sandra Freudenberg und Stefan Rosenboom haben dem unvergessenen Kini mit dem Bilder-Buch „In den Bergen lebt die Freiheit“ ein Geburtstagsgeschenk gemacht, und sie laden die Leser dazu ein, auf den Spuren des „Märchenkönigs“ die bayerischen Berge neu und anders zu erleben. „Dies ist mein Warum“, schreibt die philosophisch beschlagene Alpinistin Freudenberg: „Geführt von der kultivierten Hand Königs Ludwigs II. neue Welten finden.“ Vom Traum zur Wirklichkeit Kongenial unterstützt vom Fotografen Rosenboom fängt sie die mystische Stimmung im Bergreich des bayerischen Königs und seinen zwölf Hütten zwischen Allgäu und Oberbayern in einer ganz eigenen Sprache ein. „Was er träumte, wurde Wirklichkeit, wenn der es wollte“, schreibt Freudenreich, die ihre Bewunderung für den royalen Freigeist nicht verbergen kann und will. Sogar ein Marokkanisches Haus hat Ludwig II. in die Berge verpflanzt – heute steht es im Schlosspark von Linderhof. Mit Luxus in die Bergfreiheit Im Sommer und im Winter haben Autorin und Fotograf auf zwölf Touren Ludwigs Hütten erkundet. Doch so wie im Schachenschloss, wo weitgehend alles so erhalten blieb wie es der Kini hinterlassen hat – samt Kronleuchter und purpurnen Seidendiwanen – fanden sie nur wenig. Manche der Hütten wie…

Trampen bis ans Ende der Welt
Rezensionen / 1. Mai 2020

Stefan Korn ist um die ganze Welt getrampt. 58 Länder hat er durch- und den Atlantik in einem Segelboot überquert. Als „Trainhopper“ ist er auf amerikanischen Güterzügen mitgefahren, hat im Kleinflugzeug und auf dem Cargo-Schiff getrampt. Das Buch „Warm Roads!“ – ein Grußwort unter (russischen) Trampern – erzählt von diesen Abenteuern, die in diesen Corona-Zeiten kaum mehr vorstellbar sind. „Ich spüre, wie sich Freiheit anfühlt. Die Freiheit, wenn alles vor einem liegt und die Welt keine Grenzen zu kennen scheint… Ich war frei und konnte machen, was ich wollte. Alles stand mir offen.“ Zweieinhalb Mal um die Erde Eine grellfarbene Tramper-Uniform hat Stefan Korn mit im Gepäck – und viele Pläne. Am Ende hat er zweieinhalb Mal die Erde umrundet, wobei er kaum Zeit hatte, die einzelnen Länder näher kennenzulernen. Denn dem Tramper ging es nicht um Ländersammeln, sondern ums Unterwegssein – am liebsten in Autos und Trucks, in denen er Bekanntschaften schließen konnte – mit ganzen Familien aber auch mit einsamen Wölfen, mit großzügigen Fahrern und mit irren Typen, die nur im Suff zu ertragen waren. 1156 Menschen haben ihn auf seiner langen Tour mitgenommen, mal aus Eigeninteresse, um unterhalten zu werden, mal aus Menschenfreundlichkeit, oft aus Neugier. Hitze…

Entdecker machen Geschichte
Rezensionen / 18. Oktober 2019

Ohne Entdecker würden wir unsere Welt nicht so gut kennen wie wir es heute tun.  Anita Ganeri wendet sich mit dem Bilder-Buch „Bis ans Ende der Welt“ zwar vor allem an kleine Leser mit großer Neugier. Aber die Begegnung mit 22 Entdeckern, von Michael Mullan anschaulich illustriert, bringt auch für Erwachsene neue Erkenntnisse.  „In diesem Buch reisen wir über die Meere, durch Wüsten und Gebirge, durch den Dschungel, ins ewige Eis und sogar in den Weltraum!“ Wenn das kein Versprechen ist… Mary Kingsley war eine Ausnahme-Abenteurerin Die Entdecker  reisten nicht immer im Namen der Wissenschaft, manche waren auch Schatzsucher oder Abenteurer. Trotzdem veränderten Entdecker wie Marco Polo, Vasco da Gama oder Columbus die Welt für immer – und nicht immer zum Besseren. Eine Ausnahme war Mary Kingsley, die sieben Jahre lang von 1893 bis zu ihrem Tod vor allem auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs war und die Ausbeutung der afrikanischen Länder anprangerte. Von Hernan Cortez bis zu Ellen MacArthur Frauen sind in der Riege der Entdecker, unter denen sich auch der geld- und machtgierige Konquistador Hernan Cortez befindet, deutlich in der Unterzahl. Neben Mary Kingsley hat es auch die 1976 geborene Ellen MacArthur in das Buch geschafft, die Engländerin, die…

Grünes Band: Lebensader Todesstreifen
Rezensionen / 2. Oktober 2019

Der Kolonnenweg „zwingt einem förmlich ein langsames Fortbewegen auf“, stellt Mario Goldstein schon bald fest, nachdem er sich auf den langen Weg über das Grüne Band gemacht hat. Der in der ehemaligen DDR geborene Abenteurer, der selbst eine Fluchtgeschichte hinter sich hat, erkundet zu Fuß mit seiner Hündin Sunny den Todesstreifen, der zum Rückzugsort für viele Tierarten wurde und den nicht nur der Bund Naturschutz als Ganzes unter Schutz gestellt sehen will. Bislang sind es 75 Prozent der 1400 Kilometer, die sich Mario Goldstein auf seiner langen Wanderung als „Erinnerungslandschaft“ präsentieren. Die Natur hat die Grenze überwunden 30 Jahre nach dem Fall der Mauer hat zumindest die Natur die Grenze überwunden. Wo einst 44 000 bewaffnete Soldaten dafür sorgten, dass das Schussfeld frei lag und möglichst kein Grashalm „das Licht der Welt erblickte“, 20 1,3 Millionen Landminen die Grenze zur Todesfalle machten, wo Dörfer geschleift und Flüchtige erschossen wurden, entwickelte sich mit den Jahren der Biotopverbund Grünes Band, der nicht nur Ornithologen, Tierfreunde und Naturschützer begeistert. Wolf und Luchs sind zurück, Otter, Schwarzstorch, Teichfledermaus und Rotbauchunke. In zwei Etappen auf dem Kolonnenweg Auch wenn das Wandern auf dem oft zugewachsenen Kolonnenweg „manchmal vor allem Plackerei“ ist, auch wenn nach langen…