Wandern im deutschen Wald

19. Juli 2022

Gerald Klammer hat sich ganz schön viel vorgenommen, als er im Februar die Wohnungstür in Marburg hinter sich zumacht. Er verlässt nicht nur sein Zuhause, er hat auch seinen Job als Förster gekündigt, sein Auto verkauft und den Großteil seiner Habseligkeiten verschenkt. Nun will der begeisterte Wanderer und Waldliebhaber seine zwei Leidenschaften zusammenbringen und bei einer langen Wanderung erkunden, „wie es um Deutschlands Wälder bestellt ist“.

Für den Schutz des Waldes

Dabei trifft er Förster, Naturschützer, Wissenschaftler und Vertreter von Bürgerinitiativen. Sie unterstützen ihn in seinem Vorhaben, Menschen für den Schutz des Waldes zu gewinnen. Seine achteinhalb Monate dauernde Tour beschreibt Klammer ausführlich, auch die eher frugalen Mahlzeiten, die alltägliche Routine, die sich einstellt. Unterbrochen wird sie durch die Treffen mit ähnlich gesinnten Menschen und zwischendurch auch durch die Begleitung durch seine Freundin, die als Agrarbiologin seine Leidenschaft fürs Wandern teilt.

Das Cowboy-Camp

Zelten darf der Waldwanderer nicht, deshalb schützt er sein Lager mit dem bei Weitwanderern beliebten Tarp. Sein „Cowboycamp“, wie Gerald Klamer diese Hilfskonstruktion nennt, hält allerdings Regen und Kälte nicht immer ab ebenso wenig Mücken oder Schnecken. Doch viel mehr als Wetterunbilden und Mückenüberfälle beunruhigt Gerald Klammer der Zustand in vielen Wäldern, in denen sich der Klimawandel bemerkbar macht. Auch die Eingriffe des Menschen – der Bau von Windrädern, die riesigen Holzlaster (Harvester), Rodungen und Holzeinschläge – setzen den Wäldern zu.

Eine Wohltat für die Seele

Umso wichtiger ist nach Meinung des Autors die Einrichtung von Nationalparks, die dabei helfen, die ursprüngliche Natur zu schützen. Im Ammergebirge etwa mit seinem ursprünglichen Bergmischwald. Solche gesunden Wälder, davon ist Gerald Klamer überzeugt, sind auch für die Menschen wichtig. Er hat „keine Zweifel daran, dass Wald, Einsamkeit und Wildnis unserer Seele guttun“.

Der Wald vor der Haustür

Er plädiert für ein Netz von Waldflächen, in denen sich Wildnis entwickeln darf, sieht Steigerwald und Spessart „prädestiniert für neue Nationalparks“ und insgesamt für einen sparsamen Umgang mit der Ressource Holz. Klamers Buch soll aufrütteln, es macht aber auch Lust, im Wald vor der eigenen Haustüre mal nach dem Rechten zu sehen.

Info  Gerald Klamer. Der Waldwanderer, Malik, 272 S., 18 Euro

 

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