Zwischen Tokio und deutscher Provinz

23. September 2021

Nippon ist das Land der aufgehenden Sonne.  So sieht sich Japan selbst.  Der Journalist Andreas Neuenkirchen hat sich für dieses Nippon entschieden und den ersten Kulturschock schon hinter sich. Er ist in Tokio angekommen. Spätestens seit Tochter Hana geboren wurde, nimmt er am Alltag seiner Wahlheimat teil – als Vater.

Väter im Partnerlook

Was das bedeutet, beschreibt der aus Bremen-Vegesack stammende Autor in seinem Buch Nippon Global mit viel Selbstironie: „In Japan sind Väter, die auf eigene Faust etwas mit ihren Kindern unternehmen, so ungewöhnlich, dass die Väter, die es doch tun, sich und ihren Nachwuchs oft im Partnerlook kleiden, damit die Zusammengehörigkeit offensichtlich ist und niemand die Polizei ruft: ‚Da ist ein Mann mit einem Kind auf der Straße – ohne Frau!‘“.

Weihnachtsbaum mit Regenbogen

Trotz der Jahre, die er inzwischen in der Heimat seiner Frau Junko verbracht hat, hat Neuenhausen das Wundern nicht verlernt. Über Weihnachten in Japan etwa und die Odyssee auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum möglichst ohne Regenbogen-Deko. Über Corona und die väterlichen Pflichten bei der Tochter-Betreuung. Über Mangas, Kindergärten, Schriftzeichen und eine Art Stadtmarathon, bei dem der Deutsche viele neue Ecken seiner Wahlheimat kennenlernt.

Schlaflos in Tokio

Zum Schlafen kam er dabei nicht. Dazu kommt Neuenkirchen seiner Meinung nach sowieso zu selten. Denn Schlaf, davon ist er überzeugt, sehen seine japanischen Mitmenschen „als eine Belästigung, eine Schmach, einen Verrat des Körpers im Geiste. Deshalb schlafen sie im Büro, in der Bahn, im Café, im Kaufhaustreppenhaus.“

Amüsante  Analysen

Eigentlich möge er es nicht, „wenn Nichtjapaner versuchen, Japaner zu analysieren wie eine unbekannte Spezies von einem anderen Planeten“, schreibt der Wahl-Japaner. Doch in seinem Buch analysiert er selbst genüsslich seine Neu-Landsleute, ihre Vorliebe für Fan-Produkte und Hamsterkäufen, die Family Restaurants und die Perfektionswut vor allem der Mütter. Am Ende nimmt er die Leser und Leserinnen noch mit auf Wohnungssuche, die erstaunlicherweise von Erfolg gekrönt wird.
Es sind amüsante Episoden, die Neuhausen in Nippon Global  erzählt. Sie bringen den Alltag in der riesigen Metropole näher und helfen auch dabei, die Japaner und ihre Eigenheiten besser zu verstehen.
Info  Andreas Neuenkirchen. Nippon Global, Knesebeck, 288 S., 18 Euro

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