Happy Birthday, Janosch!

10. März 2021

Kaum zu glauben: Janosch, dieser ewig junge Rebell, wird 90!  Als Kinderbuchautor hat er Furore gemacht, und manche Eltern verschreckt. Denn Janosch ist alles andere als angepasst.
Er hat sich das Anarchistische seiner Jugend bis ins hohe Alter bewahrt. Seine Inhalte sind antiautoritär und provokant, auch wenn sie als nette Bilderbücher daherkommen. Wie das weltberühmte Buch über Tiger und Bär und ihre Reise nach Panama.

Riesenparty mit Überschwemmung

Selbst in die „Riesenparty für den Tiger“,  die der Beltz-Verlag zum 90. Geburtstag des Autors herausbrachte,  schleicht sich Rebellisches ein:  Weil ihm die Party zu lasch ist und er sich mehr Rabatz wünscht, setzt Günter Kastenfrosch einfach die Bude unter Wasser „Heerjemine, war das eine Freude für die Gäste!“.
So richtigen Rabatz wird sich der Jubilar auf seiner Insel wohl kaum mehr wünschen.  Auch ein Janosch wird ruhiger.  Die philosophische Seite des Autors hat die Zeit bis vor kurzem  in ihrem Magazin gefeiert und ich habe mich immer auf den nächsten „Wondrak“ gefreut.  Nachzulesen sind die Kolumnen in dem Buch „Herr Wondrak, wie kommt man durchs Leben?“  Viel Tröstliches ist unter den kurzen Sprüchen,  sie sind getränkt von einer warmen Mitmenschlichkeit.

Kindheit in der Hölle

Die hat der Künstler in seinem eigenen Leben lange vermisst.  Als Horst Eckert wurde er 1931 im oberschlesischen Zabrze im heutigen Polen geboren. Der kleine Horst musste Schlimmes durchmachen, wie er mir vor langer Zeit in einem Gespräch erzählte.  Der Vater ein brutaler Schläger und Alkoholiker,  die Mutter eine bigotte Sadistin.  Janosch sah seine Kindheit als „totale Zerstörung meiner Person“.  Und es wurde nicht besser, denn der rebellische Knabe kam auch mit den strengen Regeln der katholischen Kirche nicht zurecht.  Die Furcht vor teuflischen Quälereien und dem Fegefeuer,  die ihm ein Jesuitenpater eingeprügelt hatte, verfolgte noch den erwachsenen Autor.

So kennt man ihn von früher: Janosch als Lebenskünstler.                                                                      Foto:©Janosch/Verlagsgruppe Beltz 

Heimwehland Polen, Wahlheimat Teneriffa

Die Schrecken dieser polnischen Kindheit und Jugend hat er in dem Buch „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“ geschildert. Doch trotz allem blieben Polen für ihn „Heimwehland“.  Auf Teneriffa hat der unruhige Geist so etwas wie Ruhe gefunden.  Immerhin hat er der Welt über 100 Bücher geschenkt, die in rund 40 Sprachen übersetzt wurden.

Panamas heile Welt

Nicht alle Bücher  sind so heile Welt wie „Oh wie schön ist Panama“.  Doch es war gerade diese warmherzige Tiger-Bär-Geschichte, die ihm den Durchbruch brachte  – und  auf die er bis heute oft zu Unrecht reduziert wird.  Bei Tiger, Bär und Co geht es lustig zu, auch mal wild. Sie sorgen für einander und lieben ihre Freunde.  Und sie versorgen sich aus Wald und Feld, ganz nachhaltig. Es ist fast schon eine tierische Bullerbü-Welt, eine Welt, wie Janosch sie sich als Kind wohl erträumt aber nie erlebt hat.

Traum und Wirklichkeit

Nicht einmal im Traum hätte er sich vorstellen können, einmal weltberühmt zu sein.  An der Kunstakademie München war er „wegen mangelnder Begabung“ nicht willkommen.  Sein Geld verdiente er zwischendurch als Schmied und als Textilzeichner in einer Fabrik.  Auch erste Bücher floppten.  „Die Geschichte von Valek dem Pferd“ verkaufte er an den Verleger Georg Lentz und einige andere dazu –  für insgesamt 72 Mark Honorar. Doch dann kam „Panama“ und der Mann mit der mangelnden Begabung wurde Jugendliteraturpreisträger.  Und doch nagte in Janosch noch lange eine Unzufriedenheit, das alte Unglück suchte ihn heim.  Er verkaufte sein Häuschen am Ammersee, verbrannte sein Hab und Gut und floh nach Teneriffa.  Dort kann der Rastlose verwirklichen,  was für ihn ein zufriedenes Leben ist: „Nichts haben, nichts wollen, nichts wissen, nichts denken.“

Hinter den Äußerlichkeiten

Vor acht Jahren  heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin.  Sie wird ihm nicht verübeln, dass seine Frauenfiguren eher plump und oft auch ziemlich klischeehaft daherkommen – mit prallem Busen und rotem Mund.  Was Janosch bei kämpferischen Feministinnen zum NoGo gemacht hat.  Aber Frau Janosch weiß wohl, hinter solchen stereotypen Äußerlichkeiten Janoschs Lebenserfahrungen und  fast schon philosophische Einsichten zu erkennen.  Auf die Frage wie eine gute Ehe geht, etwa antwortete er „Man trägt sich immer abwechselnd.“  Und auch auf die Frage, wie es ihm so geht kurz vor dem 90. Geburtstag, ließ er verlauten:  „Es geht mir gut und kein Schwein nimmt mir das ab.“
Doch, doch, Janosch.  Ich glaub’s dir gern und wünsche dir, dass du noch lange auf deiner Insel Wein trinken und glücklich sein kannst.  Auf dein Wohl!

Info:

Janosch.  Riesenparty für den Tiger, Beltz & Gelberg, 9,95 Euro (ab 3)
Janosch.  Oh wie schön ist Panama, Beltz & Gelberg, 13,95 Euro
viele weitere Janosch-Kinderbücher sind ebenfalls bei Beltz & Gelberg erschienen:  https://www.beltz.de/kinder_jugendbuch/themenwelten/janosch.html
Janosch. Herr Wondrak, wie kommt man durchs Leben? Alle Fragen. Alle Antworten. Alle Zeichnungen, Penguin Hardcover, 30 Euro
Janosch. Cholonek oder der liebe Gotte aus Lehm, Goldmann, 17 Euro
Janosch. Polski Blues,  Goldmann, 16 Euro
Angela Bajorek. Janosch – Wer fast nichts braucht hat alles,  die Biographie, Ullstein Taschenbuch, 10 Euro
Janosch Gastmahl auf Gomera,  Goldmann
Die Ausstellung  „90 Jahre Janosch“  in der Tübinger „Art 28 Gallery“ zeigt bis zum 28. August rund 450 Exponate,  darunter Radierungen, Fotos und Gemälde.  Keineswegs nur Kinderbuchillustrationen: http://www.janosch-kunst.de/

 

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