Weltenbummler unter Segeln
Rezensionen / 22. Juni 2021

Die große Freiheit lockt viele Weltumsegler ebenso wie der Traum vom Segeln. „Jede Weltumseglung ist eine Liebesgeschichte“, schreibt Kristina Müller im Vorwort zu dem Buch „Freiheit auf Zeit“. Dafür hat sie mit zwölf Weltumseglern gesprochen, mit Paaren, Soloseglern und einer Familie, mit Alten und Jungen. Sparen auf das ganz große Abenteuer Es sind keine Profisegler, auch keine Superreichen, sondern Menschen, die sich ihren Traum vom Segeln viel haben kosten lassen. Manche haben sich ihre Yacht buchstäblich vom Mund abgespart, andere haben Wohnung oder Haus dafür verkauft, wollten den ganz großen Ausstieg wagen. Ein Weltumsegler hat eine ganze Zahnarztpraxis an Bord, wo er die Menschen in der Südsee behandelt, ein anderer hat ein Projekt gegen die Verschmutzung der Meere ins Lebens gerufen. Unterwegs auf unterschiedlichen Yachten So unterschiedlich wie die Menschen und ihre Motive sind auch die Yachten, die sie durch die Welt getragen haben. Manche konnten sich nur ältere Segelboote leisten und schraubten selbst an ihrem Traumschiff, andere gönnten sich eine der weltweit schönsten Yachten, der Zahnarzt im Unruhestand schwört auf seinen Katamaran, und der Einhandsegler versenkte am Ende schweren Herzens sein Boot. „Fidel zu versenken war wie einen guten Freund zu ermorden“, gesteht er. Auf für Weltumsegler ist die…

Curves in Süddeutschland
Rezensionen / 1. September 2020

Deutschland ist in diesem Corona-Sommer für die Deutschen das Reiseziel Nummer eins. Auch die Mannschaft von Curves, die selbst aus Süddeutschland stammt, hat sich für ihre neuen Roadmovie-Geschichten ein Fahrtziel in der näheren Heimat ausgesucht – und war überrascht. Denn Süddeutschland, das ist alles andere als einheitlich. Vielfalt er-fahren Hier Baden-Württemberg, einstmals aufgeteilt in viele kleine Fürstentümer – was Baden und Württemberg bis heute prägt. Dort Bayern, das Land der Wittelsbacher – mit weiß-blauem Stolz. Unterschiedliche Mentalitäten, vielfältiger Gaumengenuss: Von der Schwarzwälder Kirschtorte über Spätzle und Maultaschen bis zu Weißwürsten mit süßem Senf, vom Wein zum Bier. Im dicken Bildband Curves werden nicht nur Kurven (und Landschaften) er-fahren, sondern auch landesspezifische Eigenheiten erlebt. Keine Blechlawinen auf den Fotos Die Reise führt von Baden-Baden über die Schwarzwald-Höhen bis nach Berchtesgaden. Die Straßen sind oft schmal, aussichts- und natürlich kurvenreich; sie führen durch Wälder, hinauf auf Berge, hinunter in Schluchten, über Seen und entlang von Flüssen. Aber Vorsicht: In diesen Zeiten sind sie selten so menschenleer wie auf den schönen Fotografien dieses Bandes, nichts da von „soulful driving“ auf der Schwarzwald Hochstraße oder am Tegernsee, sondern stop and go. Wer die süddeutschen Landschaften ohne Blechlawinen genießen will, muss sich derzeit mit den…

Watt, Wind und Wolken
Rezensionen / 21. April 2020

Das Wattenmeer ist Speisekammer und Kinderstube für Zugvögel,  Lebensraum für Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale und eine faszinierend vielgestaltige Landschaft. „Es gibt wohl kaum eine Landschaft in Deutschland, wo der Horizont so weit und der Himmel so hoch erscheinen wie im Wattenmeer. Kein Berg, nicht einmal ein Baum stören diese Weite“ heißt es gleich zu Anfang im eindrucksvollen Bildband „Wunderwelt Wattenmeer“. Blättern statt Wandern Und schon beim ersten Durchblättern wird klar, was damit gemeint ist. Die Fotos vermitteln grandiose Eindrücke von der Vielfältigkeit dieser Naturlandschaft, von Wolken, Wind und Wellen. Statt Wattwandern, das in diesen Zeiten kaum möglich ist, ist also Blättern angesagt – mit dem Vorteil, dass man im Buch die verschiedensten Stimmungen im Watt erleben kann: leuchtende Salzwiesen im Frühling ebenso wie schäumende Wellenbrecher unter Herbststürmen. Und man sieht das Wattenmeer von oben, die filigranen Muster im Schlick, die Wellen im Sand, eine Hallig – winzig klein im weiten Blau. Langer Weg zum Weltnaturerbe Allein vom Anschauen her wird klar, dass das Wattenmeer „einer der wenigen ursprünglichen und wilden Lebensräume“ ist, die es in Europa und „vielleicht sogar auf der ganzen Welt gibt“. Ein Lebensraum, in dem die Gezeiten, der Wind und die Wellen regieren – und das obwohl…

Wüstenblues: Tour der Freuden
Rezensionen / 18. Februar 2017

„Wüstenblues“, das klingt eher nach Melancholie. Dabei war das vorherrschende Gefühl, das Gerhard von Kapff bei seiner anstrengenden Radtour empfunden hat, Euphorie. Euphorie darüber, dass er sich der Herausforderung der 1200 Kilometer langen Tour de Force gewachsen gezeigt hat und Euphorie über die grandiose Landschaft, die er aus nächster Nähe erleben konnte. Ein Mountainbike-Greenhorn und eine Wahnsinnsstrecke Lust auf Abenteuer will von Kapff mit seinem bei Delius-Klasing erschienenen Buch machen, zeigen, dass auch ein ganz normale Familienvater, ein Mountainbike-Greenhorn, so eine Wahnsinnsstrecke schaffen kann. Und das gelingt ihm vorzüglich. Denn man liest gerne über seine Erlebnisse, auch weil der Autor so frisch von der Leber weg erzählt, weil er die Leser mitnimmt auf seine Tour, ihnen auch seine Zweifel nicht vorenthält, seine Vorbehalte den anderen erfahreneren Radlern gegenüber, seine manchmal auch kleinlichen Vorurteile. Lesend folgt man dem Mountainbike-Eleven, zittert mit ihm, wenn er wieder mal der letzte ist, wenn wieder mal ein Reifen platzt oder er sich mühsam den Berg hinauf quält. Geschichte von einem der auszog, das Leben auszukosten Von Kapff ist aus seinem „dahinmäandernden Alltag“ ausgebrochen, will noch einmal „Ungewöhnliches wagen“ und sich zum 50. Geburtstag selbst beweisen, dass er dazu auch fähig ist. So wird das Buch…