Trampen bis ans Ende der Welt

1. Mai 2020

Stefan Korn ist um die ganze Welt getrampt. 58 Länder hat er durch- und den Atlantik in einem Segelboot überquert. Als „Trainhopper“ ist er auf amerikanischen Güterzügen mitgefahren, hat im Kleinflugzeug und auf dem Cargo-Schiff getrampt. Das Buch „Warm Roads!“ – ein Grußwort unter (russischen) Trampern – erzählt von diesen Abenteuern, die in diesen Corona-Zeiten kaum mehr vorstellbar sind. „Ich spüre, wie sich Freiheit anfühlt. Die Freiheit, wenn alles vor einem liegt und die Welt keine Grenzen zu kennen scheint… Ich war frei und konnte machen, was ich wollte. Alles stand mir offen.“

Zweieinhalb Mal um die Erde

Eine grellfarbene Tramper-Uniform hat Stefan Korn mit im Gepäck – und viele Pläne. Am Ende hat er zweieinhalb Mal die Erde umrundet, wobei er kaum Zeit hatte, die einzelnen Länder näher kennenzulernen. Denn dem Tramper ging es nicht um Ländersammeln, sondern ums Unterwegssein – am liebsten in Autos und Trucks, in denen er Bekanntschaften schließen konnte – mit ganzen Familien aber auch mit einsamen Wölfen, mit großzügigen Fahrern und mit irren Typen, die nur im Suff zu ertragen waren. 1156 Menschen haben ihn auf seiner langen Tour mitgenommen, mal aus Eigeninteresse, um unterhalten zu werden, mal aus Menschenfreundlichkeit, oft aus Neugier.

Hitze und Kälte, Hunger und Durst

Am liebsten ist er nachts getrampt und am wenigsten hat er die Mitfahrgelegenheiten auf einem Motorrad geschätzt. Oft ist er nur um Haaresbreite einem Unfall entgangen und hin und wieder landete er buchstäblich im Müll.  Stefan Korn hat sich nicht geschont auf dieser außergewöhnlichen Weltreise, er hat Hitze und Kälte ertragen, ist in Socken gelaufen, hat sich auf den Bergen Kolumbiens abgestrampelt und einen Absturz von der Chinesischen Mauer überlebt. Er hat Durst gelitten und Hunger und von Menschen, die ärmer waren als er,  Almosen angenommen.

„Jeder dreht anders durch“

Nicht alles, was der Ultra-Tramper darüber schreibt, muss man gut finden. Ehrlich ist es allemal. Wie auch die Geschichte mit der romantischen Liebesbeziehung, die er „mit Karacho an die Wand“ gefahren hat. „Jeder dreht anders durch,“ schreibt er einmal. „Meine Tramptouren sind die Zeit, die ich lebe.“ Nur manchmal gönnt sich Korn Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken. Etwa nach einem schweren Unfall mit einem Epileptiker: „Es macht mich traurig, wie ich mit mir umgegangen bin.“

Die härteste Trampersau auf dem Planeten

Aber dann wird ihm klar, „dass ich die Reise begonnen hatte, weil ich mir in der Trampercommunity einen Namen machen wollte“ – und dafür war er zu fast allem bereit. Heute hält er immerhin den inoffiziellen Weltrekord für die längste jemals vollendete Tramp-Expedition. Doch bei seiner Heimkehr nach 22 Monaten muss er resigniert feststellen: „Ich wollte die härteste Trampersau auf dem Planeten sein. Dafür bin ich weit über meine Grenzen gegangen und habe viel gelitten… Für etwas, das mich am Ende auch nicht ausgefüllt hat und außer mir kaum jemanden interessierte.“ Und er hat erfahren: „Viel schwieriger als zu reisen ist, zu Hause zu bleiben.“ Das wird auch dieser Globetrotter in der nächsten Zeit lernen müssen…
Info: Stefan Korn. Warm Roads, Knesebeck Stories, 271 S., 18 Euro

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