Von wegen störrischer Esel

17. Januar 2023

Lotta Lubkoll und ihr Esel Jonny sind schon ein eingespieltes Team, wenn‘s ums Wandern geht. Mit ihrem Reisebericht über die gemeinsame Wanderung über die Alpen hatte die knapp Dreißigjährige einen Bestseller gelandet und Jonny berühmt gemacht. Aber die Reise zum Überwintern nach Portugal mit dem Bus ist für beide Neuland. Dafür hat die Eselliebhaberin einen alten Ford Transit so ausgebaut, dass Jonny während der Fahrt drinnen einen sicheren Stehplatz hat und sie während der Nacht ein Bett. Und los geht‘s.

Viele Glücksmomente

Klar, dass die beiden ungewöhnlichen Reisenden überall Aufsehen erregen, wohin sie kommen – und so natürlich jede Menge Leute kennenlernen. Als dann noch die neue Liebe, Stefan, das Duo zum Trio macht, ist Lotta Lubkolls Glück vollkommen. Und so ist ihr neuer Reisebericht „Sonne, Meer und lange Ohren“ auch gespickt mit Glücksmomenten – von Sonnenaufgängen über paradiesische Landschaften und unvergessliche Ausblicke bis hin zu neuen Bekanntschaften, die sich als Seelenverwandte erweisen.

Keine Berührungsängste

Auch wenn sie selbst alles andere als eine gewöhnliche Reisende ist, wundert sich Lotta Lubkoll immer wieder über Weltenbummler und Aussteigerinnen, die von der Hand in den Mund leben und dabei glücklich sind. Auf ihrer Reise, die von Erinnerungen an ihre Kindheit begleitet werden, lernt sie unterschiedlichste Lebensentwürfe kennen. Berührungsängste kennt sie keine, auch keine Angst vor Dieben. Und Jonny entpuppt sich nicht selten als Türöffner.

Nicht immer romantisch

Aber trotz der positiven Grundstimmung gibt es auch hin und wieder Rückschläge. Mal verscheucht ein Ladenbesitzer Frau und Esel, mal verjagen Polizisten das Gespann vom Parkplatz, wo sich Lotta, Stefan und Jonny inmitten Gleichgesinnter so wohl gefühlt haben.
Und nicht immer ist die Fahrt mit dem Bus die reine Freude: „Sieht man Fotos von Menschen, die mit dem Camper verreisen, strotzen sie meist vor lauter Romantik an malerischen Orten. Sie zeigen nicht ansatzweise, welche Strapazen man hinter sich bringen musste, um dorthin zu gelangen. Wie anstrengend oder wie aufreibend so eine Reise sein kann und dass man auch mal an seine Belastungsgrenze stößt.“

Charmanter Reisebericht

Es ist auch diese Ehrlichkeit, die den reich bebilderten und nett illustrierten Reisebericht von Lotta Lobkoll so charmant macht. Die Lesenden bekommen das Gefühl, eine Freundin auf ihrer Reise und bei ihren Abenteuern zu begleiten. Sie lernen dabei nicht nur den Esel Jonny näher kennen und erfahren jede Menge über Esel(und Eselsohren). Es gibt auch so manchen Tipp, den man womöglich bei der nächsten Reise nach Spanien, Portugal oder Frankreich nutzen kann – auch ohne Esel.

Info Lotta Lubkoll. Sonne, Meer und lange Ohren, Malik, 288 S., 18 Euro

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