Wälder als Kathedralen der Schöpfung

3. November 2020

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, Wälder und andere Lebensräume zerstören, Luft, Wasser und Boden verschmutzen, stehlen wir unseren Kindern und Kindeskindern die Zukunft“ schreibt Jana Goodall im Vorwort zu dem eindrucksvollen Bildband „Wilder Wald“, der sich mit der 50-jährigen Erfolgsgeschichte des Nationalparks Bayerischer Wald befasst.

Wo die Natur Natur sein darf

„Natur Natur sein lassen“, war von Anfang an die Philosophie in Deutschlands ältestem Großschutzgebiet. Sie stieß nicht überall auf Verständnis, wie aus der Vorgeschichte hervorgeht. Doch Alexandra von Poschinger fand für ihr Buchprojekt engagierte Menschen, die sich der ökologischen Verantwortung stellen. Namhafte Künstler und Naturschützer, Naturfilmer und Grünenpolitiker, Klimaforscher und Sportler, Unternehmer und Kirchenmänner gaben ihr Auskunft über ihre Ideale und Visionen.

Bäume gegen den Klimawandel

Unter ihnen auch Felix Finkbeiner, der sich schon im Alter von zehn Jahren für Bäume gegen den Klimawandel stark machte und die Stiftung „Plant for the planet“ gegründet hat. Sie sprach aber auch mit Waldbesitzern und ließ sich von Gloria von Thurn und Taxis den Zusammenhang von Umweltschutz und Fegefeuer erklären.

Naturschutz und Naturnutzen

Man erfährt viel über Naturschutz und Naturnutzen in diesem schön gestalteten Buch mit den vielen beeindruckenden Fotografien. Auch dank der Förster, Forscher und Pädagogen, der Ranger und der Philosophin, die Alexandra von Poschinger nicht nur durch den wilden Wald begleiten sondern auch befragen durfte, wie sie am Ende des Buches dankbar vermerkt. Warum der Borkenkäfer nicht nur ein Schädling ist, wie wichtig Moore sind, wie Totholz der Erwärmung trotzt, was Kadaverökologie ist oder was Wellness mit Wald zu tun hat.

Auch Kleine kommen groß raus

Winzige Waldbewohner wie die Zitronengelbe Tramete, für die der Borkenkäfer eine neue Heimat schuf, oder der seit der Eiszeit in Bayern beheimatete Hochmoorgelbling kommen ebenso groß raus wie die 600 Jahre alte Weißtanne oder Luchs und Auerhahn. Es wird viel getan, um den Wilden Wald zu erhalten, das schreibt auch Nationalparkleiter Franz Leibl in seinem Gastbeitrag. Mit seinem Nationalparkpartner jenseits der tschechischen Grenze verbindet Leibl nicht nur eine gemeinsames Ziel – eine grenzenlose, frei zugängliche Wildnis -, sondern auch eine lange Freundschaft. Für beide wichtig ist aber auch die globale Kooperation der Waldschutzgebiete.

Ein Reichtum für alle

Geht es nach Umweltpionier Hubert Weinzierl, dem Mitbegründer des Bayerischen Waldes, dann werden Nationalparks in 50 Jahren „die modernen Kathedralen der Schöpfung“ sein und zu „den neuen Reichtümern unserer Gesellschaft“ zählen, „auf die alle stolz sind“.
Info: Alexandra von Poschinger. Wilder Wald. Knesebeck, 224 S., 40 Euro

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