Wer ermordete Olof Palme?

28. September 2020

Olof Palme galt als einer der populärsten Ministerpräsidenten Schwedens, und sein Tod alarmierte die Welt. Bis heute ist der Mord an Olof Palme nicht aufgeklärt. War es ein Einzeltäter, der den Ministerpräsidenten erschoss oder stand ein Komplott hinter dem Mord? Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson haben rund um die Tat einen spannenden Krimi gesponnen, der den „größten Kriminalfall in der schwedischen Geschichte“ von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Stieg Larsson lässt grüßen

Dabei greifen die Autoren auch auf Recherchen von Stieg Larsson zurück, der mit der „Millennium Trilogie“ einen Welt-Bestseller schrieb, aber auch Herausgeber eines antifaschistischen Magazins war. So erfahren die Leser ganz nebenbei auch viel über rechte Verschwörungen, über Geheimbünde beim Militär und Anti-Palme-Aktionen. Olof Palme, auch das lässt dieser Roman ahnen, war keineswegs ein Heiliger, auch er nutzte die Politik für seinen eigenen Vorteil und den seiner Familie.

Das Erbe des Vaters

Der Krimi spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Im Mittelpunkt steht die Tochter eines hoch dekorierten Militärs, der womöglich am Palme-Mord beteiligt war. Weil Stina Forss wissen will, was vor 33 Jahren wirklich geschehen ist, wird sie selbst das Opfer mehrerer Anschläge, die sie einäugig überlebt. Bei ihren Recherchen wird die Polizistin von Kollegen unterstützt, vor allem von ihrer Chefin Ingrid Nyström. Um ihre Verfolger auf eine falsche Spur zu lenken, täuscht Forss Selbstmord vor.

Menschen als Marionetten

Die Kollegen stürzen sich in aufwendige Recherchen, die zunächst kaum Sinn zu ergeben scheinen, aber allmählich einen Spinnennetz an Verbindungen offenbaren. Im Zentrum der Verschwörung gegen Olof Palme scheint ein reicher Unternehmer zu stehen, der mit Menschen wie mit Marionetten spielt und sich für unantastbar hält. Am Ende hält Forss alle Fäden in der Hand. Oder doch nicht?

Überraschung am Schluss

Die Autoren halten den Spannungsbogen bis zum Schluss durch. Nur die kursiv gesetzte Familiengeschichte am Anfang jedes neuen Kapitels scheint fehl am Platz. Wie bedeutend sie für die ganze Geschichte ist, stellt sich erst ganz zum Schluss heraus.

Hineingelesen…

… in die Welt der Verschwörer 

„Ach ja, die sagenumwobene Polizeispur.“ Magnussen malte mit en Fingern Anführungszeichen in die Luft. „Daher weht also der Wind.“
„Richtig.“
Magnusson schüttelte energisch den Kopf.
„Glaub mir, da bist du in einer Sackgasse gelandet.“
„Wie kannst du dir da so sicher sein?“
„Weil ich damals mittendrin war, mein Lieber.“
„Was ist mit dem Hass auf den Ministerpräsidenten in diesen Kreisen?“ fragte Knutsson. „Den Anti-Palme-Aufklebern, den bösen Gerüchten, dem Freudenfest nach seinem Tod? Du kannst doch nicht bestreiten,dass…“
„Ich bestreite gar nichts“, unterbrach ihn Magnusson. Er fuhr mit der Hand über die Kaffeespritzer auf der Tischplatte und verwischte sie. „Das war alles so, wie du sagst. Wir waren damals mehr oder weniger offen rechts, haben Palme gehasst. Er war in unseren Augen eine linke Socke, ein Kommunistenschwein. In der Umnkleide hatten wir eine Dartscheibe mit seiner verdammten Visage darauf. Magnusson krempelte einen Ärmel sies Hemds hoch und hielt Knutsson die Innenseite des Unterarms entgegen. „Siehst du die Tätowierung hier?“
„Ein Sprossenfrenster?“
„Das war einemal ein Hakenkreuz, du Schlauberger, bevor ich es irgendwann habe umändern lassen. So  waren wir damals drauf. Wir haben uns als Eliteeinheit verstanden, als die schlagkräftige Grenztruppe zwischen der Gesellschaft und dem Abschaum auf den Straßen. Junkies, Säufer, Kleinganoven, Ausländer, das war der Bodensatz, der Dreck, den es wegzufegen galt. Das war unser Job, und glaub mir, den haben wir sehr gewissenhaft erledigt.“

Info: Voosen/Danielsson. Die Taten der Toten, KiWi, 473 S.,12 Euro

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