Inselglück auf den Färöern

25. April 2022

Die Färöer, 18 sturmumbrauste Inseln im Norden zwischen Schottland und Island. Wikingerinseln, auf denen der Alltag zum Abenteuer wird. Zumindest für Anja Mazuhn, die ihren glamourösen Job als Klatschkolumnistin in High Heels gegen ein Leben in Gummistiefeln eingetauscht hat. Bereut hat sie es nicht. Denn auf den Inseln hat sie gefunden, was ihr im Berliner Trubel gefehlt hat – Zeit für sich selbst und den Sinn des Lebens.

Hymne auf die Inselwelt

Ihr Buch „Meine wilden Inseln“ ist eine Hymne auf die Natur, die auf den Färöern alles andere als lieblich ist. Doch genau das gefällt den Berlin-Aussteigern. Wie Anja Mazuhn fühlt sich auch ihr Mann schnell heimisch in dem Haus in Elduvik, das die beiden kurz entschlossen gekauft haben. Auch wenn der Sturm ums Dach braust und hin und wieder Schafe an die Tür klopfen, wenn die See hohe Wellen schlägt und der Regen die Bäume peitscht, fühlen sich die beiden angekommen in ihrem neuen Leben.

Nachbarn werden Freunde

Auch dank der freundlichen Nachbarn, die bald zu Freunden werden und die Neuankömmlinge für den Alltag auf den Färöern fit machen. Denn ganz einfach ist die Umstellung von der Klatschreporterin zur Schaf-Friseurin nicht. Doch die Autorin nimmt alle Herausforderungen an, legt am Schlachten ebenso Hand an wie beim Fischen, klettert über Felsen und taucht im Meer.

Wikinger- Tradition

Das Paar öffnet sich den fremden Traditionen, macht mit beim Dorffest und beim Strickfestival. Es lernt, dass es in der neuen Heimat 37 Wörter für Nebel gibt und erfährt, warum Lammkeulen bis heute nach der Art der Wikinger fermentiert werden. Überhaupt die Wikinger. Hin und wieder fühlen sich die Inselneulinge selbst wie die wilden Kerle, die vor Zeiten auf die Inseln kamen. Fotos in der Mitte des Buches bezeugen die raue Schönheit der Faröer.
Und trotz aller Wettereskapaden bekommt man bei der Lektüre Lust, diesen Inseln einmal einen Besuch abzustatten. Man muss ja nicht gleich ein Haus kaufen…

Hineingelesen…

in die Inselnatur 

An seinem Rand blühen Sumpfdotterblumen und zartlila Orchideen auf opulent grünen Wiesen. Ich steige über Erdspalten, in denen es gurgelt, balanciere barfuß über Felsen und halte die Füße ins Wasser, ein plätschernder und rauschender Mikrokosmos mit badenden Fliegen, quirligen Bachforellen, grauen Faltern und bemoosten Findlingen. Ein fantastisches Stück Elduvik-Welt, das ich als Dreißig-Sekunden-Telefonkameraschwenk und Akustikschnipsel verewige und zu meiner Bibliothek der guten Geräusche und Gefühle hinzufüge, die beständig wächst, Passage um Passage, wie ein epischer Liebesbrief, der so lange fortgeschrieben wird, bis er irgendwann in einm kleinen Blauen Briefkasten landet. The Sound oft Silence: Rufe von Möwen und unsere Buch in einer Sommernacht, unter einer Decke aus getupften Wattewolken. Perlenspiel: Abertausend gläserne Tautropfen auf der Wiese vorm Fenster. Down to Earth: Regen, der von unserem Grasdach auf unsere Terrasse und einen Holzstuhl tropft. Ein wirklich freier Hund: Ring, mein Lieblingsdorfhund, eine Border-Collie-Hündin, die ich dabei filme, sie sich sicher hinter unserem Haus grunzend im Gras wälzt und den Hang hinunter Purzelbäume schlägt. Dorothy: der Anfang und das Ende eines knallbunten Regenbogens über unserem Dorf. Herbstbraun: mit zu viel Oberhitze gebackener Streuselkuchen, mein Wollpullover und Pilze im Tal. Baum der Erkenntnis: Wintersturm, Nostalgie-Glaszapfen, die aufgereiht an einem roten Geschenkband im Küchenfenster zum Dorf hängen, und Weihnachten.

Info Anja Mazuhn. Meine wilden Inseln, Malik,223 S.,18 Euro

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