Pubertiere und Ältern

7. November 2020

Jan Weiler hat mit „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ eines der erfolgreichsten Bücher der vergangenen Jahrzehnte geschrieben. Mit der Pubertier-Reihe „Im Reich der Pubertiere“ und „Und ewig schläft das Pubertier“ hat er daran angeknüpft. Auch „Die Ältern“ beschäftigt sich mit den Pubertieren, vor allem aber mit dem Gemütszustand der Eltern zwischen Festhalten und Loslassen, Frust und Hoffnung.

Getrennte Wohngemeinschaften

Das handliche Büchlein, zu dem Till Hafenbrak auch diesmal die Illustrationen beigesteuert hat, handelt denn auch von so grundlegenden Dingen wie dem letzten (gemeinsamen) Urlaub, von den letzten Schulsprechtagen oder dem Streit über das, was auf den Tisch kommt. Dass die „Ältern“ dann noch beschließen, zwei nach Geschlechtern getrennte Wohngemeinschaften aufzumachen, gibt Weiler Gelegenheit über die „biblische Pubertier-Plage“ in einem Männerhaushalt zu räsonieren oder über Güterabwägungen zwischen männlichem und weiblichem Haushalt.

Ironisch-heiterer Grundton

Das Ganze liest sich leicht und locker, wobei ein gewisses Maß an Übertreibung für den ironisch-heiteren Grundton sorgt. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Aber der Wiedererkennungseffekt ist jedenfalls garantiert.

Hineingelesen…

… in Ältern

Manchmal bringt mich diese frühe Erwachsenheit zur Verzweiflung. Diese Geschäftstüchtigkeit. Dieser Sinn für das Ferne. Wir waren jedenfalls länger jung. Wir gingen in dem Alter nicht in Restaurants, wir bestellten nichts im Internet, und wir entwarfen auch keine Gründervisionen. Und wir lernten Dinge, die wir für lebenslange Gewissheiten hielten. Zum Beispiel erzählte ich Carla neulich, dass wir vor fünfunddreißig Jahren im Mathe-Unterricht unsere Taschenrechner nur sehr begrenzt benutzten durften. Unser Mathelehrer sagte damals: Später im Leben, da habt ihr auch nicht ständig so ein Ding dabei. Wer hat schon immer einen Taschenrechner zur Hand?“ Carla lächelte, winkte mir mit ihrem Smartphone zu, und dann sagte sie genüsslich: „Tja, da haben sie euch aber damals sauber verarscht.“
Ja, da ist was dran. Dieser höllische Pragmatismus dieser Generation macht mich fertig. Die sind so klug und brauchen uns so wenig. Manchmal leiden Sara und ich richtig darunter, dass die Kinder groß werden. Nicht nur, weil sich dann unser Leben zu verändern droht. Es ist ja auch so. Man fühlt sich immer ungefähr zehn bis zwölf Jahre jünger, als man tatsächlich ist. Demnach bin ich Ende dreißig, Anfang vierzig. Aber meine Kinder sehen das natürlich anders. Für sie stehe ich kurz vor dem Renteneintritt.
Ich dachte lange darüber nach, und am Ende wurde mir klar: Es ist nicht nur so, dass die Kinder erwachsen werden. Wir verändern uns auch. Aus Eltern werden Ältern.
Von diesen beiden untrennbar verbundenen Entwicklungen handelt dieses Buch.
Info: Jan Weiler. Die Ältern, Piper, 160 S., 15 Euro

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