Was ist ein Mensch?
Allgemein / 22. September 2026

Ein bisschen erinnert der Mystery-Thriller „Nur wir“ von Angelika Scheffel an den Kult-Film „Das Blair Witch Project“, auch wenn hier niemand zu Tode kommt. Vier Teenager stranden im Rahmen eines Survival-Camps auf einer kleinen Insel. So richtig engagiert ist nur der bestens ausgestattete Elio, der sich dieses Abenteuer gewünscht hat. Womöglich auch noch Noomi, das hübsche Mädchen mit den rosaroten Haaren. Die abenteuerlustige Ada wäre lieber mit ihrem Freund Selim unterwegs, und der coole Ty hat sowieso auf nichts Lust. Der seltsame Junge Aber die Auszeit auf der seltsamen Insel bringt die vier einander näher. Und dann wäre da noch dieser merkwürdige Junge, Teo, der zwar etwas unbeholfen wirkt aber auch nett und sympathisch. Alle vier haben mit ihm ganz eigene Erfahrungen, die sie mit den anderen nicht teilen wollen. Und obwohl Teo ihnen wegen seiner Unsicherheit irgendwie leid tut, sind sie auch misstrauisch. Irgendetwas stimmt mit dem Jungen nicht. Wut und Verzweiflung Dann entdeckt Ada etwas, das ihr Misstrauen bestätigt. Sie kann auch die anderen überzeugen und schnell schlägt die Sympathie für Teo in Wut um. Selbst der so empathische Elio wird zum Sadisten. Teo, das Opfer, fördert die schlimmsten Eigenschaften der Jugendlichen zu Tage. Sie erkennen sich selbst…

Zum Fotografieren schön
Allgemein / 16. September 2026

Spätsommer und Herbst sind wunderbar geeignet zum Wandern aber auch zum Entdecken von Städten. Und das Licht ist so weich wie nie im Hochsommer, ideal für schöne Fotos. Norditalien ist buchstäblich bildschön – von den Dolomiten über den Gardasee bis Venedig. Mit den Foto-Eskapaden von Sylvia Pollex und Thomas Rötting lassen sich auch ganz besondere Foto-Spots entdecken. Nein, nicht die üblichen Hotspots, bei denen Selfie-Fans Schlange stehen, sondern zauberhafte Fleckchen, die oft gar nicht so einfach zu erreichen sind. Urlärchen im Ultental Es geht hinaus in die Natur zu den Lärchenwäldern des Ultentals mit Urlärchen, die Hunderte von Jahren alt sind. Im Oktober färben sich die Nadeln, die später abgeworfen werden, flammendrot. Das außergewöhnliche Naturschauspiel lässt sich bei einer Tagestour ausgiebig genießen, Foto-Ausbeute garantiert. Eine ganz andere Landschaft kann man bei einer ganztägigen Radtour im Po-Delta erkunden. Hier, wo das Land endet und das Meer beginnt, lockt ein Naturerlebnis fern der Zivilisation mit Lagunen, Feuchtgebieten – und Flamingos. Viele der scheuen Vögel überwintern im Delta, schönste Motive für Fotografinnen und Fotografen. Chioggia statt Venedig Die gibt‘s natürlich auch in einer der meist fotografierten Städte der Welt, in Venedig. Aber selbst in der Lagunenstadt kann man ganz besondere Fotos machen, Spiegelungen…

Hummerlehren
Allgemein / 11. September 2026

Es war vorauszusehen, dass der Nachfolge-Roman der Hummerfrauen von Beatrix Gerstberger wieder ein Erfolg werden würde. Hummerjahre steht schon auf der Spiegel Bestsellerliste. Und der Roman um die drei Frauen Mina (47), Juli (73) und Judith (75) beschert nicht nur ein Wiedersehen mit Eagle Island an der Küste von Maine und ein Wiedersehen mit den Hummerfrauen. Mit Luca, Minas Tochter, kommt auch eine junge Frau dazu, die das Leben noch vor sich hat und sich unter dem Hummerfischern wohl fühlt. Magie der Insel Es ist eine ganz eigene Welt, von der Beatrix Gerstberger erzählt. Wo sonst könnte man sich vorstellen, dass ein blauer Hummer nicht nur die Rolle eines Haustiers einnimmt, sondern auch ob seiner prophetischen Eigenschaften geschätzt wird? Beatrix Gerstberger ist spürbar fasziniert von der Magie der Insel und von ihren eigenwilligen Bewohnern und Bewohnerinnen. Und sie erzählt in Hummerjahre nicht nur von selbstbewussten Frauen, die sich nach Schicksalsschlägen wieder aufrappeln. Sie erzählt in einer sinnlichen Sprache auch von Liebe, Leidenschaft und Tod, von Erinnerungen und Zukunftshoffnungen – und von der Macht des Meeres. Rückkehr in die Vergangenheit Richard hat Krebs, unheilbar, im Ferienhaus will er noch einmal aufleben, aus alten Erinnerungen Zuversicht saugen. Seine Frau Judith kann sich…

Spitzentanz auf Meeressäulen
Allgemein / 7. September 2026

Sylvain Tesson ist Schriftsteller, Geograf und passionierter Reisender. In seinem neuen Buch „Die Säulen des Meeres. Eine Reise zu den letzten unberührten Orten der Welt“ lotet der Bestsellerautor Refugien der Unberührtheit im Meer aus: „Schon lange suche ich nach Orten auf der Welt, wo sich die ewige Heimat der Kindheit und die Verweigerung der modernen Einengungen begegnen“, schreibt er. Seine Reise führt ihn in alle Richtungen dieser Welt – vom französischen Étretat zu den Marquesas, von den Orkneys bis zu den Osterinseln. Reliquien des Gewesenen Zusammen mit Freunden erkletterte er über Jahre Brandungspfeiler, „von den Steilklippen abgetrennte Erker des Meeres“, „die Reliquie des Gewesenen“. Diese Felsnadeln sind ganz unterschiedlich beschaffen – aus Sandstein, Marmor, Lava, Granit. Manche nicht höher als zwölf Meter, andere ragen 150 Meter in den Himmel. Namenlos sind die meisten, einige jedoch gelten als heilig und verlangen nicht nur Respekt, sondern Ehrfurcht. „Unsere Besteigungen sind Liebeserklärungen an den Geist der Erde“, rechtfertigt Sylvain Tesson seine Unternehmungen. Der Akt der Namensgebung „Die Welt ist voller Endstationen“, stellen die Abenteurer fest. Wenn sie einen Pfeiler benennen, wollen sie eine Aussage machen. Shani Louk nennen sie eine Meeressäule im irischen Kerry, nach der jungen Jüdin, die Hamas-Terroristen am 7. Oktober…

Das Schweigen des Dorfes
Allgemein / 5. September 2026

Santa Chionia, ein Bergdorf am Ende der Welt, hoch über den Schluchten des Aspromonte. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, die Armut ist auch in den 1960iger Jahren noch bedrückend. So empfindet es jedenfalls die junge Italo-Amerikanerin Francesca Loftfield, die ausgerechnet in diesem abgelegenen Dorf im Auftrag einer Hilfsorganisation einen Kindergarten einrichten soll. Archaische Welt Wie ihre Ich-Erzählerin kommt auch die New Yorkerin Juliet Grames aus einer italienisch-amerikanischen Familie. Schon in ihrem hoch gelobten Debüt „Die sieben oder acht Leben der Stella fortuna“ beschäftigte sie sich mit der Familiengeschichte und den kalabrischen Wurzeln. In ihrem neuen Roman „Die Verlorenen von Santa Chionia“ konfrontiert Grames die Lesenden mit einer archaischen Welt, in der jede mit jedem verwandt ist und mafiöse Strukturen jeden Fortschritt zu verhindern wissen. Auch Francescas gut gemeintes Projekt wird daran scheitern. Rätsel um ein Skelett Es beginnt schon mit einem Menetekel. Kurz nach ihrer Ankunft reißt eine Sturzflut eine Brücke und das Postamt des Ortes mit sich und legt dabei ein menschliches Skelett frei. Francescas Neugier ist geweckt. Wer ist der Tote, fragt sie sich. Und nachdem zwei Frauen sie mit dem Verschwinden ihrer männlichen Angehörigen konfrontiert haben, ist sie entschlossen, das Rätsel zu lösen. Gebot…

Wochenend‘ und Wanderlust
Allgemein / 1. September 2026

Die große Hitze scheint vorbei. Der Regen hat Abkühlung gebracht. Das ist gut, wenn man wandern will. Und Deutschland ist ein wanderbares Land – besonders im Spätsommer und im Herbst. DuMont bündelt 18 entspannte Wander-Wochenenden in Nord und Süd, in Ost und West. Sie alle sind für jeweils zwei Tage konzipiert, aber jedes Wander-Wochenende ist einzigartig. Kurzweil und Pausen Ganz gleich ob es durch die Lüneburger Heide geht, durchs Münsterland oder durchs Voralpenland. Immer ist reichlich Zeit für Entdeckungen am Wegrand, für genussvolle Pausen und spannende Begegnungen. Bei vielen Wanderungen laden Seen oder Bäche zur Abkühlung, Museen erzählen Geschichte, Felsen und Steige bieten Herausforderungen. Das alles lässt sich locker in die Wanderungen einbauen ebenso wie erholsame Pausen bei Picknick oder Einkehr. Denn die Wanderungen, die meiste an Bushaltestellen beginnen und enden, sind selten länger als zwölf Kilometer. Kraxeleien und Klettereinlagen Manche sind Rundtouren und führen wieder zum Ausgangspunkt zurück wie die Wanderungen durch die Bayerischen Voralpen durchs Leitzachtal. Da sind auch kleine Kraxeleien mit drin, schließlich ist man in den Bergen – und da können zehn Wanderkilometer schon mal vier Stunden und länger dauern. Mit Klettereinlagen muss man auch in der Sächsischen Schweiz rechnen – in der Wilden Hölle des…

Grenzerfahrungen
Allgemein / 30. August 2026

Hannah Mann ist die Urenkelin von Heinrich Mann („Der Untertan“). Ihr Vater ist der Sohn von Heinrich Manns einziger Tochter Leonie, die aus der Verbindung mit der tschechischen Schauspielerin Maria Kanová hervorging. Der Vater floh aus der Tschechoslowakei, die Mutter aus Polen. Beide kamen nach West-Berlin, wo Hannah Mann aufwuchs. Drei Generationen Hier spielt auch ihr Debüt – im Februar 1988, kurz vor der Wende. „Zeppelin und Karpfen“ erzählt von einer Familie in der Grenzstadt und um Grenzerfahrungen. Der Familienroman kreist um drei Generationen: Die Erzählerin Suzana, ihre autistische Tochter Daria und die Großmutter Nina.. Die Männer spielen  in dieser Konstellation nur eine Nebenrolle. Heimweh Das eher ruhige Familienleben gerät in eine Schieflage, als die Großmutter plötzlich verschwindet. Ihre Wurzeln liegen in Russland, dem Land, nach dem sie sich unbewusst immer sehnt. Während der Großvater sich mit den neuen Verhältnissen arrangiert hat – unter anderem beim Karpfen-Angeln – ist die Großmutter nie richtig in West-Berlin angekommen. Die Suche Doch wohin ist sie jetzt verschwunden? Die Enkelin Daria, die ein merkwürdiges Faible für Ufos hat, hat eine Idee. War da nicht etwas mit einem Zeppelin und einem Foto?  So kommt es, dass die Familie ihre Suche bis nach Friedrichshafen ausdehnt. Die…

Die Taube Paloma und Venedig
Allgemein / 26. August 2026

Tauben gehören zu Venedig wie der Markusplatz und die Rialto Brücke oder der Canale Grande. Eine dieser Tauben ist die Taube Paloma, die Heldin des gleichnamigen Bilderbuchs. Zusammen mit ihrem Freund Pico lebt sie in Venedig und bekommt mit, wie der Klimawandel der Stadt zusetzt. Unter Wasser An gelegentliches Hochwasser (aqua alta) haben sich die Menschen dort schon gewöhnt – aber nun steht die ganze Stadt unter Wasser, und die Venezianerinnen und Venezianer streiten, wie Venedig gerettet werden könnte. „Verkaufen“ raten die einen – so teuer wie möglich und möglichst ohne Tauben.  Weil sie ständig verjagt werden, sind die Taube Paloma und ihr Freund Pico ständig auf der Suche nach einem neuen Heim. Rettung für die Stadt Die anderen Stadtbewohner  stören die Tauben nicht.  Sie wollen am liebsten so weitermachen wie bisher. Wenn es gar nicht mehr gehe, könnte man die Stadt ab- und woanders wieder aufbauen, machen sie sich Mut. Beide Gruppen demonstrieren für ihre Idee und sind total zerstritten. Der Gondoliere Angelo aber hofft auf einen dritten Weg für Venedigs Zukunft, und dabei bestärkt ihn die Inschrift an der Statue eines kleinen Mädchens, die ein Taube in den Händen hält. Danach darf ein freier Bildhauer oder Dichter selbst…

Ein Oh für Venedig und Neapel
Allgemein / 25. August 2026

Wer oh! ausruft, ist begeistert, überrascht, manchmal sogar überwältigt. Der folio Verlag hat eine ganze Reihe oh‘s für Reisende herausgebracht, die alle eines gemeinsam haben – den persönlichen Blick. Die Reihe wurde denn auch mit dem International Travel BookAward 2025 in der Kategorie „Besonderer Reiseführer/Reisebuch“ ausgezeichnet. Launige Plaudereien Es macht Spaß, durch die Seiten dieser schönen, kleinen Bücher zu blättern und die ebenso launigen wie kundigen Texte zu lesen. Hier wird nicht mit Bucket Listen hantiert, hier hat man das Gefühl, mit Freunden über einen Lieblingsort zu plaudern. Natürlich ist auch bei diesen Reiselesebüchern Sightseeing angesagt – aber eben nicht nur. Einladung zum Schmökern Man spürt, dass die Autorinnen und Autoren die beschriebenen Ziele nicht nur kennen, sie lieben sie auch. Und sie erzählen Geschichten, die man so in kaum einen anderen Reiseführer findet. „Oh! Venedig“ zum Beispiel lädt genauso wenig zum Abhaken von Highlights ein wie „Oh! Neapel“. Im Gegenteil, die Bücher laden zum Schmökern ein, zum Entdecken besonderer Orte. Wo die Gondeln Bücher tragen In Venedig  ist das zum Beispiel die Libreria Acqua Alta, wo die Bücher in ausrangierten Gondeln lagern, wohl eine der originellsten Buchhandlungen der Welt.  Autorin Maria Wiesner empfiehlt auch die Scala Contarini del Bovolo,…

Von Wölfen und Menschen
Allgemein / 24. August 2026

Greenpeace könnte diesen Roman glatt weiter empfehlen. In „Wolfsommer auf Wiggö“ verwebt Catrin Ormestad Natur und Moral, Geschichte und Gegenwart zu einem spannenden Thriller, indem sie die Schicksale zweier Frauen aus unterschiedlichen Zeiten geschickt verschränkt. Und im Hintergrund lauert der Klimawandel mit seinen Folgen. Insel im Aufruhr Alles beginnt mit einem Schuss: Tillmann Ruff, der Sohn des „großen Sammy“, der wohl zu seinen besten Zeiten so etwas wie der Pate der Insel war, hat den Wolf erschossen, der auf Wiggö aufgetaucht war. Die Insel ist in Aufruhr, aber die meisten sind dem „Wolfsschützen“ dankbar. Und Tillmann, der sein Leben lang unter der Knute des autoritären Vaters stand, glaubt, endlich die Achtung des Alten erworben zu haben. Ein Irrtum. Eine anonyme Anzeige ruft die Polizei auf den Plan. Wer steckt dahinter, fragen sich Tillmann und sein Freund Ben. Magdalena, die fesche Journalistin aus Stockholm, die sich in dem herunter gekommenen Haus ihres Onkels eingenistet hat? Abschied vom Materialismus Die junge Frau, die in der Welt der Hochglanzblätter eine steile Karriere gemacht hat, ist auf der Suche nach dem einfachen Leben. „Eines, in dem sich nicht alles um die Dinge drehte, die in Stockholm so wichtig waren, wie Status und Prestige und…